Schulpolitik

12-Punkte-Programm zur Schulpolitik

Antrag beschlossen auf dem Landeskongress der JuLis Bayern in Bamberg am 25./26. November 2006

1. Mehr Individuelle Förderung!

Eine stärkere individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler muss in allen Schularten in das Zentrum der Bemühungen zur Verbesserung der Schulbildung gestellt werden. Dazu gehört u.a.:

  • Die Begrenzung der Schülerzahl pro Klasse auf maximal 25
  • Die Ausdehnung des an den Gymnasien erfolgreich erprobten Konzepts der Intensivierungsstunden auf alle Schularten, insbesondereauch auf Realschule und Hauptschulen.
  • Das Angebot zusätzlicher Förderkurse fürleistungsschwache Schüler einerseits und besonders begabte und interessierteSchüler andererseits.
  • Die Einstellung von speziell ausgebildeten Sozialpädagogen an allen Schulen und Schularten, die sich neben den Eltern und Lehrern um die Erziehung insbesondere verhaltensauffälliger Kinder bemühen und ihre sozialen Kompetenzen sowie ihre Integration in die Schulgemeinschaftgezielt fördern.

2. Flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen

Ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen für alle Schularten, d.h.auch für die bisher ausgenommenen Grundschulen, ist aufzubauen. Neben einer stärkeren individuellen Förderung der Schüler soll dieses insbesondere zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen. Dabei darf sich die Ganztagsschule nicht einfach auf eine reine Hausaufgabenbetreuung beschränken, sondern sollte auf einem durchdachten pädagogischen Konzept beruhen, das zwischen traditionellen Unterrichtsstunden und Phasen für Wiederholung, Intensivierung, betreuten Freizeitangeboten, Lernen und Erholung abwechselt. Die Ausgestaltung im Einzelnen bleibt den Schulen überlassen

3.Lehrpläne entrümpeln!

Die Lehrpläne aller Schularten müssen deutlich entrümpelt werden. Gleichzeitig muss verstärkt auf die Vermittlung von Grundwissen Wert gelegt werden. Um dieses einzuüben, sind spezielle Wiederholungsphasen in den Unterricht aller Fächer einzubauen und Grundwissensinhalte verstärkt abzuprüfen.

4. Gemeinsames Fach Philosophie / Ethik / Religion

Das Fach Philosophie/Ethik/Religion soll an allen bayerischen Schulen an die Stelle des bisher konfessionsgebundenen Religionsunterrichts treten. Vorrangiges Ziel muss es dabei sein, allen Kindern und Jugendlichen Verständnis und Toleranz für andere Religionen und Weltanschauungen zu vermitteln ohne damit eine Wertung zu verbinden.

5. Verpflichtende, kostenfreie Kindergartenzeit

Um die besondere Aufnahmefähigkeit von Kindern bereits im Kindergartenalter besser zu nutzen, sollte bereits ab drei Jahren eine verpflichtende, kostenfreie Kindergartenzeit eingeführt werden. Hier sollten Kinder in spielerischer Art schrittweise an erste Lerninhalte herangeführt werden. In Verbindung mit gut ausgebildetem Kindergartenpersonal können so die sozialen und geistigen Kompetenzen der Kinder gestärkt und zur vollen Entfaltung gebracht werden. Sprachliche Defizite von Kindern sollen in dieser Zeit gezielt ausgeglichen werden.

6. Wohnortnahe Grundschulen

Wohnortnahe Grundschulen müssen - trotz sinkender Schülerzahlen aufgrund derdemografischen Entwicklung - langfristig sichergestellt werden. Jahrgangsübergreifende Klassen, die zum Beispiel die erste und zweite bzw. die dritte und vierte Klasse zusammenfassen können, sind dabei eingeeignetes Modell. Sie dürfen jedoch nicht zu einem Sparmodell werden, sondern müssen sinnvoll gestaltet werden. Die Jungen Liberalen fordern deshalb:

  • Jahrgangsübergreifende Kombiklassen dürfen nur maximal 20 Schüler umfassen, damit auf jeden Schüler möglichst individuell eingegangen werden kann.
  • In den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch muss eine zweite Lehrkraft für einen differenzierten Unterricht zur Verfügung stehen.
  • Die Lehrerinnen und Lehrer sind vorher umfassend für einen pädagogisch verantwortlichen jahrgangsübergreifenden Unterricht weiterzubilden.

7. Duale Oberschule (DOS)

Die Jungen Liberalen setzten sich für ein zweigliedriges Schulsystem ein. Nach der Grundschule können die Schüler zwischen dem Besuch des Gymnasiums und der Dualen Oberschule (DOS) wählen. Die DOS vereinigt die Real-, Wirtschafts- und Hauptschulen unter einem Dach. Sie soll ihre Absolventen auf einen erfolgreichen Einstieg in eine Berufsausbildung vorbereiten. Die Basis hierzu stellen die beiden Elemente Durchlässigkeit und Berufsorientierung dar. In der DOS werden die Schüler in zwei Leistungsklassen unterrichtet. Zwischen diesen können Schüler je nach Leistungsentwicklung wechseln und ihren Fähigkeiten entsprechend den höchsten Abschluss (Real- oder Hauptschulabschluss) erreichen. Die Berufsorientierung und -vorbereitung ist erklärtes Ziel der DOS. Es wird durch Berufstrainings, Praktika und durch berufsbezogenen Fachunterricht erreicht.

Die Möglichkeiten nach Abschluss der Mittleren Reife dasallgemeinbildende Abitur zu machen, sind zu verbessern. Zu diesem Zweck werden FOS und BOS zu einem neuen Beruflichen Gymnasium zusammengefasst, an dem sowohl die Fachhochschulreife (nach der 12. Klasse) als auch die allgemeine Hochschulreife (nach der 13. Klasse) erworben werden können.

8. Achtjähriges Gymnasium (G 8)

Das Modell des achtjährigen Gymnasiums (G 8) muss überarbeitet werden. Neben einer Reduzierung des Stoffs und der verstärkten Wiederholung von Grundwissen ist ein verpflichtendes zweiwöchiges Berufspraktikum in der 10. Jahrgangsstufe einzuführen.

9. Grund- und Leistungskurse

Das bewährte System aus Grund- und Leistungskursen in der Kollegstufe wird entgegen den Plänen der bayerischen Staatsregierung auch im G 8 (11. und 12.Jahrgangsstufe) beibehalten.

Es stellt sicher, dass jeder Schüler auch weiterhin individuelle Schwerpunkte nach seinen eigenen Interessen und Neigungen wählen kann. Dies fördert in besonderem Maße die Entwicklung einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen Persönlichkeit, die aus unserer Sicht zentraler Bestandteil eines demokratischen Bildungsideals ist. Zudem können die Schülerinnen und Schüler dadurch für das spätere Berufsleben besser ihre Stärken, ihre Schwächen undihre Interessen selbst herausfinden. Auch die Studierfähigkeit wird so gestärkt.

10. Lernmittelfreiheit wiederherstellen!

Die Lernmittelfreiheit an den Schulen muss wiederhergestellt werden. Alle Schülerinnen und Schüler aus allen sozialen Schichten haben ein Recht auf eine möglichst optimale Ausbildung.

11. Keine Schuluniformen!

Die Jungen Liberalen lehnen die verpflichtende Einführung von Schuluniformen ab. Kleidung ist Ausdruck von persönlicher Individualität, deren Entwicklung wir fördern wollen.

12. Autonome Schulen

Die Schulen müssen in die finanzielle und personelle Eigenständigkeit entlassen werden. D.h. sie bekommen ein Budget und können ihr Personal in Zukunft selbst auswählen. Auch an staatlichen Schulen sollen Lehrer in Zukunft als Angestellte arbeiten, d.h. die Verbeamtung wird abgeschafft. Gleichzeitig ist auch eine stärkere individuelle Profilbildung aller Schulen anzustreben, die dann verstärkt zueinander in Wettbewerb um eine bestmögliche Ausbildung treten können.